Zwei Öle tragen beide die Angabe 20 % CBD. Sind sie gleich? Fast nie. Der Prozentsatz misst ein einziges Molekül; alles andere, die übrigen Cannabinoide, ihre saure oder neutrale Form, die Terpene, hängt von der Pflanze ab und davon, wie der Extrakt erhitzt wurde. Hier erfahren Sie, was das Profil eines Extrakts wirklich ausmacht und wie man es liest.
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Der Prozentsatz misst ein einziges Molekül
Die Zahl auf der Flasche gibt die Menge an Cannabidiol an. Über die anderen Moleküle im Extrakt sagt sie nichts: CBG, CBC, Säureformen wie CBDA und Terpene. Gerade sie unterscheiden aber zwei Extrakte mit gleichem Gehalt. Zwei Öle mit 20 % können genau gleich viel CBD enthalten und dennoch ganz unterschiedliche Anteile an allem anderen.
Diese Anteile sind kein Zufall. Sie hängen von drei Dingen ab: der Hanfsorte, dem Erntezeitpunkt und dem Verfahren, insbesondere der Wärme bei der Herstellung. Die ersten beiden bestimmen, was die Pflanze gebildet hat; das dritte entscheidet, was davon in der Flasche ankommt.
Ein Muttermolekül, drei Familien
In der Pflanze entstehen alle Cannabinoide aus demselben Ausgangspunkt. CBGA, oft Muttermolekül genannt, wird von drei verschiedenen Enzymen in CBDA, THCA oder CBCA umgewandelt. Das Gleichgewicht zwischen diesen Enzymen, typisch für jede Sorte, lenkt die Pflanze zu einem CBD- oder THC-reichen Profil. CBD-Hanf stammt aus Sorten, die auf CBDA ausgerichtet sind.
Entscheidend: Die Pflanze bildet fast nur Säureformen. CBD, THC und CBC, die sogenannten neutralen Formen, entstehen vor allem, wenn das Material erhitzt wird. Ein kleiner Teil des CBGA durchläuft keines der drei Enzyme: Er bleibt in der Pflanze und wird zu CBG.




Säureform, neutrale Form: was die Wärme bewirkt
Der Übergang von der sauren zur neutralen Form heisst Decarboxylierung. Unter Wärme verliert das Molekül eine Carboxylgruppe, die als CO2 entweicht. Aus CBDA wird CBD. Die Reaktion läuft auch bei Raumtemperatur während der Lagerung ab, aber sehr langsam; vorangetrieben wird sie durch die Wärme bei der Herstellung.



Mit dem CO2 verliert das Molekül auch einen Teil seiner Masse. CBDA wiegt 358,5 g/mol, CBD 314,5 g/mol: Ein Gramm CBDA kann also höchstens 0,877 Gramm CBD ergeben. Daher stammt der Faktor 0,877 in der Zeile «Gesamt-CBD» der Analysezertifikate. Dieselbe Rechnung gilt für THC, weshalb sich der Schweizer Grenzwert auf den Gesamt-THC-Gehalt bezieht, der THC und umgewandeltes THCA zusammenzählt.

Dieses Maximum wird nicht immer erreicht. Eine Studie von 2016 verfolgte die Decarboxylierung von Extrakten zwischen 80 und 145 °C. THCA wandelte sich etwa doppelt so schnell um wie CBDA und CBGA, und ohne Nebenprodukte. Bei CBDA und CBGA hingegen ging ein Teil des Materials unterwegs verloren, was die Autoren nicht erklären konnten: 18 bis 25 % bei den CBDA-Extrakten, fast 53 % bei den CBGA-Extrakten. Erhitzen wandelt einen Extrakt also nicht nur um; es verändert auch seine Anteile.

Terpene, der empfindlichste Teil
Terpene sind die aromatischen Moleküle des Hanfs. Sie sind auch der flüchtigste Teil des Extrakts. Myrcen siedet bei 167 °C, Limonen bei 176 °C, Linalool bei 198 °C, Beta-Caryophyllen bei etwa 256 °C. Und eine Flüssigkeit wartet mit dem Verdunsten nicht bis zum Siedepunkt: Je tiefer ein Terpen siedet, desto früher entweicht es, schon bei den Temperaturen von Trocknung, Decarboxylierung oder Destillation.

Auch das Extraktionsverfahren fällt ins Gewicht. Eine Studie von 2024, die drei Verfahren an derselben Sorte verglich, erhielt viele Terpene durch Hydrodestillation, sehr wenige durch Extraktion mit überkritischem CO2 und die meisten sauren Cannabinoide durch Ethanolextraktion. Zwei Extrakte mit gleichem CBD-Gehalt können daher ein völlig unterschiedliches Aromaprofil haben. Mehr dazu in unserem Artikel Full Spectrum, Broad Spectrum, Isolat.

Zwei Extrakte vergleichen: was zu lesen ist
Um zu sehen, was zwei Öle mit gleichem Gehalt unterscheidet, liest man das Analysezertifikat der Charge, und zwar mehrere Zeilen statt nur einer. Zuerst den Unterschied zwischen «CBD» und «Gesamt-CBD»: Weichen die beiden Zahlen voneinander ab, liegt ein Teil des angegebenen Cannabidiols noch als CBDA vor. Dann die minoren Cannabinoide CBG und CBC, deren Anteile von Sorte zu Sorte und von Charge zu Charge schwanken. Schliesslich die Terpene, die viele Zertifikate nicht aufführen.
| Zeile im Zertifikat | Was sie angibt |
|---|---|
| CBD | Cannabidiol, bereits in neutraler Form |
| CBDA | die Säureform, noch nicht umgewandelt |
| Gesamt-CBD | CBD + 0,877 × CBDA: das Maximum bei vollständiger Umwandlung |
| CBG, CBC | minore Cannabinoide, die von Charge zu Charge schwanken |
| Gesamt-THC | THC + 0,877 × THCA: der massgebende Wert für den Schweizer Grenzwert von 1 % |
| Terpene | fehlen oft im Zertifikat; ihr Vorhandensein hängt vom Verfahren ab |
Achtung
«Gesamt-CBD» ist keine gemessene CBD-Menge, sondern eine Rechnung, die eine vollständige Umwandlung des CBDA voraussetzt. Stellt ein Produkt diese Zahl in den Vordergrund, prüfen Sie auch die Zeile «CBD» allein.
Um vom Prozentsatz zu einer Menge pro Milliliter zu gelangen und zu messen, was eine Flasche tatsächlich abgibt, hilft unser Artikel über die CBD-Menge in einem Tropfen weiter. Auch das Trägeröl spielt eine Rolle, in allen unseren Reihen, von Sublime auf MCT-Kokosöl bis zu den Olivenölen.
Lesen Sie auch: unseren Ratgeber zur Wahl eines CBD-Öls, was Temperatur mit CBD und THC macht und den THC-Grenzwert von 1 %.
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Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen CBD und CBDA?
CBDA ist die Säureform von CBD, jene, die die Pflanze bildet. Beim Erhitzen verliert es eine Carboxylgruppe als CO2 und wird zu CBD: Das ist die Decarboxylierung. Beide liegen in einem Extrakt oft nebeneinander vor, in Anteilen, die von der Wärme bei der Herstellung abhängen.
Was bedeutet «Gesamt-CBD» auf einem Analysezertifikat?
Es ist eine Rechnung: gemessenes CBD plus 0,877 mal gemessenes CBDA. Der Faktor 0,877 ergibt sich aus dem Verhältnis der Molekülmassen, 314,5 für CBD gegenüber 358,5 für CBDA. Er gibt die höchstmögliche CBD-Menge an, wenn alles CBDA umgewandelt würde, was nicht immer der Fall ist.
Warum sind zwei Öle mit gleichem CBD-Gehalt verschieden?
Weil der Prozentsatz nur das Cannabidiol misst. Die übrigen Cannabinoide, CBG, CBC und Säureformen, sowie die Terpene schwanken mit Sorte, Ernte und Verfahren. Zwei Öle mit 20 % können daher sehr unterschiedliche Profile haben, die sich nur mit dem Analysezertifikat der Charge vergleichen lassen.
Zerstört Wärme die Terpene?
Vor allem lässt sie sie verdunsten. Terpene sind die flüchtigsten Moleküle eines Extrakts: Myrcen siedet bei 167 °C, Limonen bei 176 °C, und alle beginnen lange vor ihrem Siedepunkt zu entweichen. Je stärker ein Verfahren erhitzt, desto mehr verringert es den Anteil der leichtesten Terpene.
Was ist CBG?
CBG ist ein Cannabinoid, das aus CBGA entsteht, dem Muttermolekül, aus dem die Pflanze auch CBDA, THCA und CBCA bildet. Es kommt in den meisten Hanfextrakten in geringer Menge vor, in Anteilen, die je nach Sorte und Erntezeitpunkt schwanken. Es erscheint auf den vollständigsten Analysezertifikaten.



