Hanftagung 2026: was die Schweizer Hanfbranche mitnimmt

by TheGreenLab
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Rows of young hemp plants under a polytunnel in summer

Am 24. September 2026 trafen sich an der 2. Hanftagung von Agridea und IG Hanf in Zollikofen (BE) Landwirtinnen und Landwirte, Verarbeiter, Forschende und Händler. Ihr Fazit: Die Schweiz kann Nutzhanf anbauen und verfügt über das Wissen, ihn zu verarbeiten, doch ein grosser Teil der Wertschöpfung entsteht noch im Ausland. Sinkende Anbauflächen, Fasern, Bau, Samen und neue THC-Grenzwerte: das Wichtigste im Überblick.

Eine Tagung zum Nutzhanf

Die Tagung fand im Inforama Rütti statt, dem Berner Bildungs- und Beratungszentrum für die Landwirtschaft. Organisiert wurde sie von der landwirtschaftlichen Beratungszentrale Agridea, gemeinsam mit der IG Hanf Schweiz, dem Branchenverband.

Thema war Hanf, der für Samen, Fasern und Stängel angebaut wird, der sogenannte Nutzhanf. Die Blüten, aus denen CBD-Produkte entstehen, standen nicht auf dem Programm. Beides ist dieselbe Art, Cannabis sativa, und muss unter 1 % Gesamt-THC bleiben, um in der Schweiz frei angebaut zu werden. Was dieser Wert misst, erklärt unser Artikel zum THC-Grenzwert von 1 %.

Die IG Hanf hat einen Rückblick auf die Tagung in ihrem Newsletter veröffentlicht. Die Kernbotschaft: Hanf ist vielseitig und das Know-how ist in der Schweiz vorhanden, doch die Verarbeitung, die am meisten Wert schafft, findet meist anderswo statt.

Fast fünfmal weniger Anbaufläche

Laut Zahlen des Bundesamts für Statistik, die die IG Hanf zitiert, erreichte die Anbaufläche von klassischem Nutzhanf 2019 und 2020 mit rund 290 Hektaren ihren Höhepunkt. 2025 lag sie noch bei rund 60 Hektaren.

Schema: Nutzhanffläche in der Schweiz, rund 290 Hektaren 2019 und 2020, rund 60 Hektaren 2025
Anbaufläche von klassischem Nutzhanf in der Schweiz, laut BFS und IG Hanf.

Gemessen an rund einer Million Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche bleibt Hanf eine Nischenkultur. Die Diskussionen drehten sich deshalb um Absatzwege, die diese Flächen wieder wachsen lassen könnten: Bau, Fasern und Lebensmittel.

Weg zwischen zwei Reihen Hanf unter Folie im Spätsommer, im Seeland
Unser eigener Hanfanbau 2017, unter Folie im Seeland bei Murten, für Blüten bestimmt.

Bau und Fasern: Das Wissen ist da, die Anlage fehlt

Hanfbaustoffe sind ausgereift. Am bekanntesten ist Hanfbeton, eine Mischung aus Hanfschäben und Kalk, die als dämmende Füllung dient, dazu Faserplatten und Dämmstoffe. Laut dem Rückblick der Tagung werden diese Materialien im Ausland hergestellt, und auch ihr Rohstoff stammt nicht aus der Schweiz.

Faserhanf wächst hierzulande problemlos. Rentabel ist sein Anbau aber noch nicht, weil eine Entholzungsanlage fehlt: die Maschine, die Hanfstroh in Fasern und Schäben trennt, den holzigen Teil des Stängels. Ohne diesen Schritt findet das Stroh keinen Abnehmer in der Schweiz.

Schema: Hanfstroh muss durch eine Entholzungsanlage, die es in der Schweiz nicht gibt, um Fasern und Schäben zu ergeben
Die Entholzung, der Schritt, der der Schweizer Branche heute fehlt.

Samen und Lebensmittel: was sich beim THC geändert hat

Schweizer Hanfsamen sind gefragt. Im Laden kosten sie laut dem Rückblick der Tagung jedoch rund doppelt so viel wie importierte Samen.

Die Samen selbst enthalten keine Cannabinoide. THC kann bei der Ernte durch Kontakt mit Blüten und Blättern an sie gelangen. Deshalb legt das Lebensmittelrecht Höchstgehalte für Samen und daraus hergestellte Produkte fest.

Seit Juli 2025 gelten für diese Produkte gemäss der Kontaminantenverordnung des EDI (VHK) dieselben Werte wie in der Europäischen Union seit 2023. Sie sind strenger als die früheren Schweizer Werte und beziehen sich auf die Summe aus THC und seiner Säureform, der THCA.

ProduktTHC-Höchstgehalt
Hanfsamen3,0 mg/kg
Gemahlene, entfettete und andere ausschliesslich aus Hanfsamen gewonnene Erzeugnisse3,0 mg/kg
Hanfsamenöl7,5 mg/kg
Höchstgehalte in der Schweiz seit Juli 2025 (VHK), identisch mit den EU-Werten. Sie beziehen sich auf die Summe aus Δ9-THC und Δ9-THCA. 3 mg/kg entsprechen 0,0003 %.

Diese Höchstgehalte betreffen nur Samen und ihre Erzeugnisse. Für andere Hanflebensmittel, darunter Tee aus Hanfblättern, gibt es in der Schweiz keinen eigenen THC-Grenzwert mehr. Sie unterliegen weiterhin den allgemeinen Regeln der Lebensmittelsicherheit. Laut BLV gilt Kräutertee aus Hanfblättern nicht als bewilligungspflichtiges neuartiges Lebensmittel, anders als cannabinoidreiche Extrakte.

Ab 2027 setzt die Europäische Union Grenzwerte für Hanftee

Die Europäische Union hat am 28. Juli 2026 die Verordnung (EU) 2026/1828 erlassen. Ab dem 1. Januar 2027 dürfen Hanfblätter für Aufgüsse höchstens 40 mg/kg THC enthalten, trinkfertige Aufgüsse höchstens 0,02 mg/kg. Auf dem Etikett der Blätter muss stehen, dass sie nur für einen Aufguss mit Wasser bestimmt sind, dass sie für Säuglinge und Kleinkinder nicht geeignet sind und dass keine fetthaltigen Zutaten wie Milch oder Rahm zugegeben werden dürfen.

Die Schweiz übernimmt diese Verordnung nicht automatisch. Schweizer Produzenten, die Hanftee in der Europäischen Union verkaufen, müssen diese Werte ab 2027 jedoch einhalten.

Achtung

Hanfsamenöl und CBD-Öl sind zwei verschiedene Produkte. Das erste wird aus den Samen gepresst, die keine Cannabinoide enthalten. Das zweite wird mit einem Blütenextrakt hergestellt. Beide tragen das Wort Hanf, ihre Zusammensetzung ist aber verschieden: Zutatenliste und CBD-Gehalt auf dem Etikett zeigen den Unterschied.

Die ganze Pflanze nutzen

Am meisten Beachtung fand der Ansatz, die ganze Pflanze zu nutzen: Samen für Lebensmittel, Fasern und Schäben für den Bau. So findet eine Ernte mehrere Absatzwege, was sie für die Landwirtschaft interessanter macht.

Schema: Samen für Lebensmittel, Fasern und Schäben aus dem Stängel für den Bau, Blätter für Tee, Blüten für CBD-Extrakte
Jeder Teil der Pflanze hat eigene Absatzwege.

Die Blüten, in diesem Rückblick nicht erwähnt, gehören zu einer anderen Branche, dem CBD. Sie werden wegen ihrer Hanf-Cannabinoide angebaut, mit anderen Anbauentscheiden als Faserhanf. Unser Artikel über Blüten aus Indoor-, Gewächshaus- und Outdoor-Anbau beschreibt, was die jeweilige Methode an der Blüte verändert.

Unsere Sicht

Der Rückblick zeigt eine Pflanze, die in der Schweiz gut bekannt ist, aber vor Ort noch wenig verarbeitet wird. Das landwirtschaftliche und technische Können ist vorhanden. Es fehlen industrielle Anlagen wie eine Entholzungsanlage und genügend Mengen, um sie auszulasten.

Für CBD-Unternehmen bleibt die Nutzhanfbranche ein naher Nachbar: dieselbe Pflanze, dieselben Anforderungen an den THC-Gehalt, dieselben Fragen der Rückverfolgbarkeit. Wir verfolgen, wie sich die THC-Regeln für Lebensmittel in der Schweiz und in der Europäischen Union entwickeln. Den rechtlichen Rahmen für CBD-Produkte fasst unser Leitfaden zum Schweizer Recht zusammen.

Unser Labor

In Gland verarbeiten wir Extrakte aus Hanfblüten vom Rohextrakt bis zur fertigen Flasche. Die Zusammensetzung der Cannabinoide und das Gleichgewicht ihrer Verhältnisse prägen den Charakter jedes unserer Öle. Das Labor entdecken →

Häufige Fragen

Wie viele Hektaren Nutzhanf werden in der Schweiz angebaut?

Laut Zahlen des Bundesamts für Statistik, die die IG Hanf zitiert, wurden 2025 rund 60 Hektaren klassischer Nutzhanf angebaut. 2019 und 2020 hatte die Fläche mit rund 290 Hektaren ihren Höhepunkt erreicht. Gemessen an rund einer Million Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche bleibt Hanf eine Nischenkultur.

Warum ist Faserhanf in der Schweiz nicht rentabel?

Die Pflanze wächst gut, doch in der Schweiz fehlt eine Entholzungsanlage, die das Stroh in Fasern und Schäben trennt. Ohne diesen Schritt findet das Stroh im Land keinen Verarbeiter. Die in der Schweiz verwendeten Hanfbaustoffe werden im Ausland hergestellt, mit einem Rohstoff, der nicht aus der Schweiz stammt.

Welcher THC-Höchstgehalt gilt in der Schweiz für Hanfsamen?

Seit Juli 2025 legt die Kontaminantenverordnung (VHK) 3,0 mg/kg für Samen und ausschliesslich daraus gewonnene Erzeugnisse fest und 7,5 mg/kg für Hanfsamenöl. Die Werte beziehen sich auf die Summe aus THC und THCA. Sie sind identisch mit denen der Europäischen Union.

Gibt es in der Schweiz einen THC-Grenzwert für Hanftee?

Keinen eigenen Grenzwert. In der Schweiz gelten THC-Höchstgehalte nur für Samen und ihre Erzeugnisse. Tee aus Hanfblättern unterliegt den allgemeinen Regeln der Lebensmittelsicherheit. Laut BLV ist er kein bewilligungspflichtiges neuartiges Lebensmittel, anders als cannabinoidreiche Extrakte.

Was ändert die EU-Verordnung von 2027 für Hanftee?

Ab dem 1. Januar 2027 begrenzt die Verordnung (EU) 2026/1828 den THC-Gehalt auf 40 mg/kg in Hanfblättern für Aufgüsse und auf 0,02 mg/kg in trinkfertigen Aufgüssen. Das Etikett der Blätter muss Pflichthinweise tragen. Die Schweiz übernimmt die Verordnung nicht automatisch, doch in der EU verkaufte Produkte müssen sie einhalten.

Enthalten Hanfsamen CBD?

Nein. Hanfsamen enthalten keine Cannabinoide, weder CBD noch THC. Spuren können bei der Ernte durch Kontakt mit Blüten und Blättern entstehen, deshalb gibt es THC-Höchstgehalte für Samen. CBD findet sich in den Blüten, aus denen die Extrakte hergestellt werden.